Jah­res­ga­be 2025:

Hil­de Domin

»Mein Her­ze wir sind ver­reist«

Fak­si­mi­le mit Tran­skrip­ti­on und einem Begleit­text von Mari­on Tausch­witz

»Erwin Wal­ter Palm, Ehe­mann der Dich­te­rin Hil­de Domin, starb am 7. Juli 1988. Ein sechs­und­fünf­zig Jah­re wäh­ren­des, so wenig kal­ku­lier­ba­res Lebens­ge­spräch war ver­stummt, doch auch der lebens­lan­ge Kampf um die Dich­ter­kro­ne.

Drei Mona­te nach dem Tod ihres Man­nes folg­te Hil­de Domin der Ein­la­dung einer por­tu­gie­si­schen Freun­din in ein Feri­en­haus hoch auf einer Fel­sen­klip­pe über dem Meer. Tief unten umbraus­te der Atlan­tik die bizar­ren Fels­for­ma­tio­nen der Algar­ve. Los­ges­löst vom erin­ne­rungs­schwe­ren Hei­del­berg woll­te Domin trau­ern. Täg­lich stieg sie den stei­len, unweg­sa­men Pfad zum Strand hin­ab, schwamm weit in die Bran­dung hin­aus und saß bis zum Son­nen­un­ter­gang bei den aus­ge­wa­sche­nen Fel­sent­rich­tern. Stum­me Zeu­gen der Ewig­keit, mys­ti­sche Ein­gän­ge zur Unter­welt. Durch solch ein Tor muß­te Orpheus sei­ner Eury­di­ke gefolgt sein. Hier schrieb Domin MEIN HERZE WIR SIND VERREIST.« (…)

Der Freun­des­kreis Lite­ra­tur­haus Hei­del­berg e.V. ver­öf­fent­licht für sei­ne Mit­glie­der Jah­res­ga­ben in biblio­phi­ler Aus­stat­tung.