2026-08-08T00:00:00+02:00
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Freitag, 4. Dezem­ber 2026, 19 Uhr
Muse­um Haus Cajeth

Das Schwei­gen und das Schrei­ben

Ulri­ke Draes­ner liest aus ihren Arbei­ten und spricht mit Felix Chris­ten und Alex­an­der Knopf über den Begriff und die Pra­xis des Über­set­zens

© Mel­lie Wang

Das Gren­zen mei­ner Spra­che bedeu­ten die Gren­zen mei­ner Welt. Witt­gen­steins Satz impli­ziert, dass es so vie­le Wel­ten gibt wie Indi­vi­du­en, die eine eige­ne Spra­che spre­chen. Unend­lich vie­le Spra­chen, unend­lich vie­le Gren­zen. Das gesam­te Werk Ulri­ke Draes­ners kreist dar­um, die­se Gren­zen auf­zu­zei­gen, neu zu ver­mes­sen, vor allem aber: Wege zu ihrer Über­win­dung zu suchen.
Jede Über­set­zung ist der Ver­such, eine Sprach­gren­ze zu über­win­den. Dabei ist die lite­ra­ri­sche oder poe­ti­sche Über­set­zung nur ein Spe­zi­al­fall, frei­lich einer, an dem die Unmög­lich­keit eines sol­chen Unter­fan­gens beson­ders deut­lich zuta­ge tritt. Die Tex­te, aus denen Ulri­ke Draes­ner liest, erkun­den die Viel­falt unse­rer sprach­li­chen Bezie­hun­gen: zu Sprecher:innen ande­rer Spra­chen, zu Sprecher:innen unse­rer eige­nen Spra­che, zu Spre­chern nicht-men­sch­­li­cher Spra­chen und zu unse­rem eige­nen spre­chend-sprach­­lo­­sen Selbst. Sie ver­fol­gen die Um‑, Irr- und Holz­we­ge, auf die uns jede Über­set­zung führt.

Ulri­ke Draes­ner, geb. 1962 in Mün­chen, wur­de für ihre Roma­ne, Essays und Gedich­te viel­fach aus­ge­zeich­net. Nach dem Roman »zu lie­ben« (2024) und dem Pos­t­epos »pene­lo­pes sch()iff« (2025) ver­öf­fent­lich­te sie jüngst den Band »Radio Silence«, der von zwei Rei­sen in die Ark­tis erzählt. Zuletzt erhielt Draes­ner den Chris­­ti­­ne-Lavant-Preis, den Gise­­la-Els­­ner-Preis, den Lite­ra­tur­preis der Kon­­rad-Ade­n­au­er-Stif­­tung und den Gro­ßen Preis des Deut­schen Lite­ra­tur­fonds für ihr Gesamt­werk, das mul­ti­me­dia­le Arbei­ten und Über­set­zun­gen ein­schließt. Ihr Roman »Die Ver­wan­del­ten« war für den Preis der Leip­zi­ger Buch­mes­se nomi­niert. Nach inter­na­tio­na­len Gast­do­zen­tu­ren und Poe­tik­vor­le­sun­gen ist Draes­ner seit 2018 Pro­fes­so­rin am Deut­schen Lite­ra­tur­in­sti­tut Leip­zig. Sie ist Mit­glied der Ber­li­ner Aka­de­mie der Küns­te, des PEN Ber­lin und der Deut­schen Aka­de­mie für Spra­che und Dich­tung.

Alex­an­der Knopf ist Lei­ter des lite­ra­tur­wis­sen­schaft­li­chen Bereichs der ›Theo­dor Spring­mann Stif­tung‹ in Hei­del­berg und Mit­her­aus­ge­ber von Hebels »Sämt­li­chen Schrif­ten«. Dane­ben lehrt und forscht er am Ger­ma­nis­ti­schen Semi­nar. Zu sei­nen Buch­ver­öf­fent­li­chun­gen gehö­ren eine Edi­ti­on von Ele­gi­en aus dem Nach­laß von Gün­ther Anders mit dem Titel »Die Toten­post« (2022), eine Edi­ti­on und Inter­pre­ta­ti­on von Nova­lis’ »Hein­rich von After­din­gen« (2015, 2 Bde.) sowie die bei­den Sam­mel­bän­de »Abschied vom Indi­vi­du­um: Roman­ti­sche Kon­zep­tio­nen von Indi­vi­dua­li­tät und ihre Kri­tik« (2022, mit Ver­ó­ni­ca Gal­fio­ne) und »Sprach­den­ken in der frü­hen Roman­tik« (2026, mit Chris­ti­an Ben­ne).

Felix Chris­ten lehrt Neue­re deut­sche Lite­ra­tur­wis­sen­schaft am Ger­ma­nis­ti­schen Semi­nar der Uni­ver­si­tät Hei­del­berg. 2014–2016 Sti­pen­di­at der Alex­an­der von Hum­­boldt-Stif­­tung in Frank­furt am Main und Ber­lin und bis 2019 Ober­as­sis­tent am Deut­schen Semi­nar der Uni­ver­si­tät Zürich. Er lehr­te als Max Kade Distin­gu­is­hed Visi­ting Pro­fes­sor an der Brown Uni­ver­si­ty und nahm 2025 an der Johns Hop­kins Uni­ver­si­ty, 2026 an der Sei­jo Uni­ver­si­ty Gast­pro­fes­su­ren wahr. 2023/24 wur­de er in das Hei­­sen­­berg-Pro­­gramm der Deut­schen For­schungs­ge­mein­schaft auf­ge­nom­men und forscht seit­dem an der Uni­ver­si­tät Osna­brück, ab Herbst 2026 an der Hum­­boldt-Uni­­ver­­­si­­tät. Chris­ten ist Vor­stands­mit­glied der Höl­­der­­lin-Gesel­l­­schaft in Tübin­gen und Juror des Lyrik­prei­ses Meran.

wann & wo

Frei­tag, 4. Dezem­ber 2026, 19 Uhr
Muse­um Haus Cajeth
Has­pel­gas­se 12
69117 Hei­del­berg

Ein­tritt: 8 Euro, ermä­ßigt 5 Euro

Mit Unter­stüt­zung von Hassbecker’s Gale­rie & Buch­hand­lung und der Gesell­schaft der Freun­de des Muse­ums Haus Cajeth e.V.

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